Stiche ins Herzland

Na ja, mit „Sicherung von Einflusszonen“, „Machtpolitik“ oder „Imperialismus“ ist es ja so wie mit „Propaganda“: das machen immer nur die anderen. Wir, die Guten, tun so was nicht  und schon gar nicht reden wir darüber oder raunen gar,  wie erfolgreich wir damit sind. Deshalb hört man vom geostrategischen, machtpolitischen Hintergrund aktueller Konflikte immer nur wenig, und wenn, dann einseitig. Im Falle Ukraine dann nur vom „Agressor“ Putin, der sich die Krim und potentiell die ganze Ukraine einverleiben will und den Westen „bedroht“. Und nichts oder wenig von den Schachzügen des Westens:  dem Bruch des Versprechens gegenüber den Russen, die Nato nicht nach Osten auszudehnen; dem völkerrechtswidrigen Bombardement der Republik Jugoslawien, um dort den größten US-Militärstützpunkt seit dem Vietnam-Krieg zu errichten („Bond Steel“ im Kosovo);  den Kriegen in  Afghanistan,  Irak, Libyen und Syrien, die ein schreckliches Desaster angerichtet haben. All dies verkauft der Westen unter der Parole,  „Freiheit, „Demokratie“ und „Menschenrechte“ zu verbreiten, es sind aber sehr wohl kalkulierte, von  Zbig Brezisnki  („To Zbig To Jail“) seit langem beschriebene Schritte zur Sicherung der globalen Vorherrschaft. Die letzlich einem noch viel älterem Drehbuch folgen,  der  „Heartland“-Strategie des britischen Geopolitikers Harold Mackinder von 1904. (In „Wir sind die Guten“ gibts ein Kapitel dazu) Als „Herzland“ sah er das etwa auf deiner Karte abgebildete Osteuropa, die Achse zwischen dem Westen und Asien, deren Verbindung verhindert werden müsse, weil das britische Empire gegen ein einiges „Eurasien“ hoffnungslos unterlegen sei. Und das gilt für das nunmehr us-amerikanische Imperium noch heute: eine Achse des Friedens und der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der globalen Werkbank China, dem Rohstoffriesen Russland und dem High-Tech-Standort Deutschland und Europa gilt es unter allen Umständen zu verhindern. Mit Stichen ins Herzland, auf dass es keinesfalls zusammenwächst. Deshalb – und nur deshalb – soll ja auch die Ukraine aus dem Jahrhunderte alten Verbund mit Russland herausgerissen und der Nato und der EU einverleibt werden. Als militärisch neutrale Verbindungsachse zwischen Russland und dem Westen und Föderation von Ukrainern, Russen und Tartaren, hätte das Land eine aussichtsreiche Zukunft. Zwei Jahre nach dem Umsturz steht die Ukraine stattdessen am Abgrund zum “failed state“,  und nach wie vor opfert das Imperium seine „Bauern“ in einem blutigen Bürgerkrieg. Als erfolgreiche oder gar elegante Schachzüge kann man das, was das „Empire of Chaos“ mit seinen Marionetten in Kiew und anderswo veranstaltet insofern auch nicht bezeichnen. Schach spielen derzeit eher  die materialmäßig hoffnungslos unterlegenen Russen, die aus kleinen Vorteilen sehr viel machen, Amerika hingegen setzt nach wie vor auf Monopoly, ohne Rücksicht auf Verluste…

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