Keine Panik!

Keine Panik, Sven.  Das war nur der Praktikant.  Die läßt man zum Thema  gerne mal was backen, weil es dieses simple Rezept gibt, bei dem sie sich frei austoben können: lebenden Elvis, wahlweise UFOs, wahlweise Erich v. Däniken wahlweise anderen Hokuspokus schön zusammenrühren, ein Teelöffel „Nazi“, eine  kräftige Prise „Pfui“  und das Zauberwort…: „Verschwörungstheorie“  –  fertig ist der Einheizbrei. Seit ich 2000 Robert Anton Wilsons „Lexikon der Verschwörungstheorien“ auf Deutsch herausgegeben habe (lange vergriffen, Westend bringt im Herbst 2016 eine  Neuauflage!), hat der Begriff als Diffamierungsvokabel ja  eine geradezu inflationäre Verbreitung gefunden. Gleich nach  9/11 hatte ich das schon befürchtet und in „Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9.“ geschrieben: „Es ist an der Zeit, das Verschwörungsdenken, dieses Schmuddelkind der Erkenntnistheorie, in den Status einer kritischen Wahrnehmungswissenschaft zu erheben. Und eine allgemeine Theorie der Verschwörungstheorien zu entwerfen, die als Wegweiser in diesem Minenfeld dienen kann“. – und dann noch einige Thesen dazu formuliert. Dieser Versuch, das Niveau der Auseinandersetzung mit Verschwörungen zu heben, darf als gescheitert betrachtet werden. Auch die jetzt an der Uni Tübingen eingerichtete Forschungstelle für Verschwörungstheorie läßt eher wenig erwarten, denn real existerende Verschwörungen sind dort gar nicht im Blickfeld. Die untersuchen nur die irren Theorien, bis hin zur Teufelsfratze. Wissenschaftlich! Endlich! Die Fakten (ich probier unten mal, ob das hier mit Video einbetten funkt) bleiben tabu. Für die Wissenschaft und für die Praktikanten, die ja schließlich lernen müssen, wie die „Lückenpresse“ funktioniert. Und die drittmittelgeförderte Pseudo-Wissenschaft.
Btw: Anders als auf die Dumpfbacken Ulfkotte und Helsing lasse ich auf Erich von Däniken nichts kommen. Dieser ehemalige Kellner aus der Schweiz hat die Doku-Fiction quasi erfunden und zu Recht Millionenauflagen mit seinen Geschichten erzielt. In den 1980ern hatte ich ihn nach einem Vortrag einmal interviewt: „Wenn die Götter Astronauten waren, warum landen sie dann nicht einfach vor dem Weissen Haus und nehmen diplomatische Beziehungen mit uns auf?“  Von Dänikens Antwort gibt mir bis heute zu denken: „Würden Sie diplomatische Beziehungen mit Hühnern aufnehmen?“
Best!
M.

 

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